Dorfchronik

Ursprünglich fand die erste Besiedelung in Pfafflar statt. Heute sind nur noch Bschlabs und Boden ganzjährig bewohnt, Pfafflar ist lediglich eine Sommersiedlung, dessen Häuser nur in der warmen Jahreszeit genutzt werden.

Ortsname

Um 1284 wurde Pfafflar Pavelaers genannt, das vom rätoromanischen Wort pabulariu abgeleitet ist und Futterstadel bedeutet.

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Die ersten Dauersiedler in diesem Seitental des Lechtales stammten aus dem Engadin (Schweiz). Überlieferungen besagen, dass sie von den Grafen Starkenberg aus Imst/Tarrenz die Erlaubnis erhielten, das Tal zu besiedeln. Die Schweizer kamen mit ihrem Vieh über das Hahntennjoch (früher Hohentennen genannt), einem Pass der das Lechtal mit dem Inntal verbindet, und ließen sich um 1280 in Pfafflar nieder. Laut Urkunden befanden sich dort 1284 vier Schwaighöfe. Danach wurden Höfe in Boden und Bislafes (dem heutigen Bschlabs) errichtet.
Die Siedler rodeten Wald, um Wiesen für Viehzucht (Ziegen, Schafe, Kühe) und Ackerbau (Kartoffeln, Getreide, Flachs und Bohnen) nutzen zu können, wodurch sie wirtschaftlich unabhängig wurden. Damals war das Leben in den Bergen ein harter Überlebenskampf. Die Bergwiesen sind zum Teil bis auf eine Höhe von 2.300 m gemäht worden, um Winterfutter für ihr Vieh zu ernten. Einige mündliche Überlieferungen besagen, dass oberhalb vom Ortsteil Boden – am Fuße des Rotkopfes – Bergbau betrieben wurde, wo man Galmei (Zinkerz) und Blei abbaute. 

Im Jahre 1500 war die Gegend um Pfafflar ein beliebtes Jagdgebiet des Landesfürsten Kaiser Maximilian I. (1459-1519).

Das Steuerregister von 1427 vermerkt Pfafflar beim Gericht Imst. 1629 wurde das Tal zu einem Steuerbezirk zusammegefasst und 1810 politische Gemeinde beim Bezirk Imst. Den Einwohnerhöchststand erreichte Pfafflar 1840 mit rund 320 Bewohnern. Diese ernährten sich größtenteils aus dem Ertrag der kargen Landwirtschaft.

1894 ließ man dann den Ortsteil Pfafflar als Dauersiedlung auf und die Bergbauern zogen in das um 250 m tiefer gelegene Boden. Jedoch wurde Pfafflar weiterhin als Sommersiedlung genutzt, wo die Bauern vom Frühjahr bis zum Spätherbst Almwirtschaft betrieben.

 

Zur neueren Geschichte des 20. Jahrhunderts

Im Ersten Weltkrieg kamen zehn Soldaten aus Bschlabs und Boden ums Leben; sie fielen in Lemberg (Ukraine), Russland, Ungarn, Italien und Wien.

1930 bis 1937 wurde Bschlabs von Elmen (im Lechtal) aus mit einer Straße erschlossen, in der Zeit von 1935 bis 1937 erweiterte man diese bis Boden. Die Gemeinde Pfafflar war bis 1938 Teil des Bezirkes Imst und wurde dann durch den Ausbau der Straßenverbindung ins Lechtal politisch dem Bezirk Reutte zugeteilt. Allerdings war die Gemeinde noch bis 1947 gerichtlich Imst unterstellt. 

Im Zweiten Weltkrieg fielen acht Männer aus der Gemeinde als Soldaten in Afrika, Russland, Rumänien, Schlesien, Italien und Jugoslawien.

Mit Strom aus dem Lechtal wurde die Gemeinde in den Jahren 1954 (Bschlabs), 1955 (Boden) und 1956 (Pfafflar) erschlossen.

Im Jahre 1960 begann man mit den Lawinenschutzverbauungen (Stahlschneebrücken, Aufforstungen, Lawinengalerien und Untertunnelungen) um die Orte und vor allem die Zufahrtsstraße im Winter sicherer zu machen. Die Gemeinde Pfafflar hatte vor diesen Schutzmaßnahmen die lawinengefährdetste Zufahrtsstraße aller Gemeinden Österreichs (z. B. im Winter 1981/82 waren die Orte der Gemeinde insgesamt 80 Tage von der Außenwelt abgeschnitten).

Durch die Eröffnung der Hahntennjochstraße  im Jahre 1969 kam – zumindest für die Sommermonate – in das Bergdorf Bschlabs mehr Leben durch den regen Durchzugsverkehr. Sie stellt heute neben einer Nord-Süd-Verkehrsverbindung eine, auch unter Motorrad- und Radfahrern, beliebte Ausflugsstrecke dar, die allerdings in den Wintermonaten gesperrt ist.

In dieser Zeit machte der technische Fortschritt auch vor der Gemeinde Pfafflar nicht halt. Es verbesserten sich Radio- und Fernsehempfang und das Internet hielt Einzug. Durch neue landwirtschaftliche Maschinen wurde der Alltag der Bergbauern um vieles erleichtert. Trotz dieser Verbesserungen ließ sich die Abwanderung der Jugend aus dem Tal nicht aufhalten. Vereine, wie beispielsweise die Musikkapelle, die das kulturelle und kirchliche Leben bereicherten, lösten sich mangels Mitgliedern auf.

Auch die einklassige Volksschule in Boden wurde mit Ende des Schuljahres 2004/05 aufgelassen, die Volksschule in Bschlabs wurde mit Ende des Schuljahres 2013/14 geschlossen.

Außerdem diente die Gemeinde Pfafflar des Öfteren als Filmkulisse in diversen Dokumenten und Filmen, wie beispielsweise Der Bergdoktor, Weihnachtswolf, Apollonia, Die Versöhnung, Der Architekt und Die Hebamme.

 

Das Wappen der Gemeinde Pfafflar

Die Tiroler Landesregierung hat in ihrer Sitzung vom neunzehnten Mai neunzehnhunderteinundachtzig der Gemeinde Pfafflar folgendes in der Urkunde dargestellte Wappen verliehen: In Grün drei goldene Heuhütten, die mittlere höherstehend. Die Farben der Gemeindefahne sind Gelb-Grün. Das Wappen versinnbildlicht den Namen der Gemeinde, der in seiner ältesten bekannten Form „Pavelaers“ lautet und „bei den Futterstädeln“ bedeutet. Es erinnert somit auch an die Anfänge der Besiedelung und mit der Dreizahl an die Ortschaften Boden, Bschlabs und Pfafflar. Die Urkunde wird durch die Unterzeichneten und das Landessiegel beglaubigt. 

Gegeben zu Innsbruck am dreizehnten September neunzehnhunderteinundachtzig.

 

Die Tracht der Gemeinde Pfafflar

Die „Pfafflarer Tracht“, aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurde früher auch im Lechtal getragen. 

Bei den verwendeten Materialien handelte es sich vor allem um selbstgefertigte Stoffe. Das charakteristische Erscheinungsbild der Frauentracht war die lange weiße Jacke und die hohe zylinderförmige Kopfbedeckung aus Radin. In der Literatur wird die sogenannte „Kapo“ (Kappe) auch als grünfarben beschrieben. Auf Abbildungen werden Frauen und junge Mädchen häufig mit einer Stauche – einem gestärkten, weißen Leintuch, welches um Kopf und Hals geschlungen wurde und nur die Gesichtspartie freilässt – dargestellt. In der Literatur wird erwähnt, dass die Strauche nur bei älteren oder in Trauer befindlichen Frauen getragen wurde. Auffällig sind auch die kurzen, weiten Röcke („Wiflinge“) mit verhältnismäßig hoher Taille, angenähtem Schnürmieder, Brustfleck, Fürtuch (Schürze) und gefältelte Strümpfe, meist ohne Fußteil. Auf den überlieferten Bildern ist das Mieder kaum sichtbar. In Abhandlungen wird es zumeist rotfarben und mit Borten verziert beschrieben. 

Das Besondere an der Pfafflarer Männertracht war das Vorherrschen der weißen Farbe: Der offene mantelartige Rock, das Hemd, die Strümpfe (im Winter aus Wolle, im Sommer aus Leinwand) und die Kniehose, mit Lederbändern unter den Knien gebunden. Dazu trug er den schwarzen, etwas breitkrempigen Filzhut, ein hellblaues Leibl und einen schwarzen „Binder“ am Kragen. 

Diversen Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass sowohl die Männer-, als auch die Frauentracht, je nach Generation und Anlass, leicht variierte.